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3. Januar 2026
  • Ist es wirklich Mangel der dich definiert?
  • Mit dem Zeigefinger tastest du deinen Rippen entlang
  • als wären sie Gitterstäbe für Bedürfnisse
  • die tief im Körper wohnen von denen du denkst
  • du würdest sie nie los.

  • Wie sie mit ihren Ketten rasseln: Bestätigung
  • von Männern zum Beispiel oder vermeintliche Vollkommenheit.
  • Du lässt dir Haare am Körper verbrennen mit heissem
  • gebündeltem Licht willst endlich zu Gold spinnen was noch
  • riecht makellos und gefällig. Aber wirst du dabei

  • nicht immer starrer und blasser wenn du so gehst
  • und den Kopf nicht bewegst damit der Wind dir keine Strähne löst
  • damit dein Auge nicht tränt also die Farbe nicht verschmiert?
  • Diese Sehnsucht als hätte die Wildnis Mitgefühl
  • als könnten deine Arme Blitze schleudern.

  • Mangel allein formt noch kein Selbst. Also
  • brich Vorstellung um Vorstellung aus der Mauer
  • lege sie vor dir auf der Lichtung aus.
  • Betrachte sie genau. Sortiere:
  • Marktwert. Selbstwert.

  • Dann machst du eine Pause.
  • Legst dich zwischen die Frühblüher.
  • Schliesst die Augen.
  • Mit der Zeit lernst du zu regieren
  • ein Königreich - nicht weniger.
Nathalie Schmid (*1974) ist in Aarau geboren und lebt heute in Baden. Sie schreibt Lyrik und Prosa, zuletzt erschienen der Roman «Lass es gut sein» (2023) und der Gedichtband «Ein anderes Wort für einverstanden» (2025). Für ihre Texte hat sie verschiedene Auszeichnungen und Stipendien erhalten, u. a. den Atelieraufenthalt Berlin des Aargauer Kuratoriums (2024).
Dieses Gedicht wurde kuratiert von Internationales Lyrikfestival Basel. Nathalie Schmid liest am Internationalen Lyrikfestival Basel 2026. Link

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