WAS ZU TUN IST DABEI
19.
Januar
2026
- Dass ich weiter ausgreifen müsse. Dass die Arme,
- nahezu kindisch, viel breiter ausgreifen müssten,
- jede Hand ihr eigener Tunnel, durch den hindurch
- ich mich verdoppelnd in die künftige Bahn schlüpf.
- Und der Nacken muss lockerer liegen, auch tiefer.
- Genauso der Kopf. Als würdest bergab du schwimmen.
- Einen munteren Bergbach hinab. Steil der Abhang,
- steil und aus Wasser, aber dennoch horizontal. Ruhe.
- Ruhe und gleite und merke: Je langsamer du ziehst,
- desto schneller schwimmst du. Das erst mal verstehen.
- Dann um die eigene Achse die Hüften drehen. Und du!
- Und du! Und du! So deuten die Hände, wenn sie breiter,
- viel breiter ausgreifen, als ich einmal gedacht. Aha.
- Und nicht aus der Schulter. Das ganze Blatt kommt ja mit.
- Da, wo der Muskel an der Hüfte angewachsen ist, da. Da!
- Genau da ziehst du mit. Den Schwung bekommst du woher?
- Der Schwung kommt aus der Hüfte, wo just die Bewegung
- ihren Anfang hernimmt. Die Hüfte zieht den Arm, der Arm
- zieht den Atem und klappt ihn auf dem Heimweg wieder ein.
- So. Und was die Beine so machen … jojojo. Was die Beine
- so machen? Sie halten dich über Wasser, wie der Gedanke
- an Paris. An die Aare. An Bern. An den Humboldthain.
- An den Schwarzsee bei Kitzbühel. Den Kuckuckssee in MVP.
- Den Pazifik. Den indischen Ozean. Die Donau, die Aare,
- ach, ach, die Aare Again. Und ausatmen. Ausatmen. Aus.
Monika Rinck (*1969) hat 2024 ihren aktuellsten Lyrikband «Höllenfahrt & Entenstaat» (kookbooks) veröffentlicht. Rinck ist Professorin für Literarisches Schreiben an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Sie erhielt unter anderen den Roswitha-Preis und den Kleist-Preis. 2024 hielt sie die Zürcher Poetikvorlesungen und 2025 hatte sie den DAAD Chair of Contemporary Poetics an der NYU inne.
Dieses Gedicht wurde kuratiert von Internationales Lyrikfestival Basel.
Monika Rinck liest am Internationalen Lyrikfestival Basel 2026. Link
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